8. August 2010Stufen des Bewusstseins

(Ken Wilber’s Ebenen und Zustände, zum Vergrössern auf das Bild klicken)

Vor einigen Jahren besuchte ich eine Weiterbildung, wo ein grossgewachsener, bärtiger Seminarleiter geheimnisvoll in die Runde guckte und sichtlich um den Eindruck warb, er würde nun die wichtigste Frage des Universums stellen:

Woran denkt der Kunde zuerst?

Nach einigen Momenten des Innehaltens (wer will sich schon bei einer solch wichtigen Frage blamieren?) kamen die ersten Vorschläge: “An den Preis!” sagte einer. “An die Qualität!” ein anderer. Der Referent blieb lange stumm. Irgendwann hob er den Finger und sagte in pathetischer Stimmlage:

“Der Kunde denkt zuallererst an sich selbst!”

Nach einigem Zögern stellte er eine weitere Frage, und kaum einer zweifelte daran, dass dies nun die Zweitwichtigste war: “Und woran denkt der Kunde als Zweites?” Betretenes Schweigen. Dann endlich die erlösende Antwort: “Der Kunde denkt auch als Zweites an sich selbst!” Es folgte, was folgen musste: “Und woran denkt der Kunde als Drittes?” Ohne die Antwort abzuwarten, rief er aus: “Der Kunde denkt auch als Drittes an sich selbst, er denkt als Viertes und als Fünftes an sich selbst, er denkt überhaupt nur an sich selbst! Ist Ihnen das eigentlich klar?” (Ton und Lautstärke erinnerten in diesem Moment an eine Befehlsausgabe auf dem Kasernenhof). weiter »

24. Juni 2010Brian McLaren und die religiöse Gedankenpolizei

Auf einem Blog mit reformatorisch-theologischen Inhalten las ich ein Zitat von Alan Posener zum “Phänomen der Kuscheltheologie”:

Die muntere Enthistorisierung, Verniedlichung, Banalisierung und Psychologisierung der Theologie erweckt beinahe Sehnsucht nach einem beinharten Theologen wie Joseph Ratzinger, der in seiner kompromisslosen Enge den Gläubigen wenigstens etwas zumutet.

Solche und ähnliche Seitenhiebe in Richtung “Anselm Grün & Co” sind auf der erwähnten Internetseite, deren Betreiber ein Dozent für Apologetik und Neuere Theologiegeschichte ist, häufig anzutreffen. Die in verschiedenen Beiträgen geäusserte Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen “Theologie, der Gemeindearbeit und dem geistlichen Leben” spiegelt sich hauptsächlich in der Verortung von neueren Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft, die in der “Tradition der Aufklärung” stünden und nicht “hinter Kant” zurückgingen. Dazu gehöre etwa der “Gleichheitswahn” zwischen den Geschlechtern, die zunehmende Akzeptanz der Homosexualität, oder der subversive Einfluss der Emerging Church.

Der akademische Anstrich täuscht ein wenig über die Sehnsucht nach “Klartext” hinweg, die einzelne Kommentatoren zum Ausdruck bringen: “Washer, Chan, Piper, MacArthur und andere, die Klartext reden. Ich frage mich: wo sind die deutschen Stimmen? Gibt es gar keine oder verpasse ich da etwas?” (Kommentar zu Paul Washer: Lebst Du wirklich für Gott?). weiter »

12. Juni 2010Der Übergang vom Alten zum Neuen Bund

Josef Dragomir aus Rumänien stellte mir dankenswerterweise eine interessante Grafik zur Verfügung, die ich hier mit seinem Einverständnis veröffentliche:

Link (PDF): Der Übergang der Bündnisse

Es lohnt sich, die jeweiligen Bibelstellen aufmerksam zu lesen. Schon der erste Eindruck lässt an die Worte erinnern, die Johannes der Täufer sprach – und verdeutlicht die typologische Beziehung zwischen Johannes und Jesus:

Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Jo 3,30)

5. Juni 2010Gedanken zur Theodizee

Kürzlich sprach mich jemand auf meine Überzeugung an, sämtliche Prophezeiungen der Bibel hätten sich bereits erfüllt:

Ich hätte da jedoch ein paar Fragen … vor allem diese, wie du all das Leid und den Schmerz, der ja klar da ist und auch spürbar ist, erklärst…?

“Ups…”, dachte ich mir. “Ich weiss es nicht!” war mein erster Gedanke. Und: “wer weiss das schon?” mein zweiter.

Trotzdem möchte ich nun versuchen, wenigstens ein paar Überlegungen dazu auszubreiten und zur Diskussion zu stellen. Einiges von dem, was ich hier sage, weicht von der orthodoxen, systemtheologischen Praxis ab. Dessen bin ich mir sehr bewusst (aber da ich ja hier nicht mein Einkommen auf’s Spiel setze, kann ich’s mir leisten…).

Zunächst bezweifle ich, dass es auf die berühmte Theodizeefrage eine Antwort gibt, wie wir es gerne hören würden. Wenn wir beispielsweise Hiob lesen, so findet diese Geschichte zwar ein beglückendes “Happy End”, aber eine befriedigende Antwort auf die drängende Frage Hiobs (“warum?”) liefert das Buch nicht. Im Gegenteil, am Ende ist es dann plötzlich Gott, der dem Hiob Fragen stellt. Die frommen Erklärungen und theologischen Einsichten, mit denen Hiob von seinen Freunden im Mittelteil des Buches überschüttet wird, sind in Gottes Augen gar verwerflich (Hiob 42,7-8). Und so meine ich, ist die Bibel kein Buch, das unsere Fragen beantwortet wie ein Lösungsheft die Schulaufgaben, sondern eine Schrift, die uns zum Dialog mit Gott einlädt und zu einer Auseinandersetzung anregt, die sich nicht von theoretischen Überlegungen leiten lässt, sondern erlebt und verinnerlicht sein will. Auf diese Weise die Bibel zu lesen ist ein lebendiger, dynamischer Prozess und kein bekenntnistheoretischer Zustand. weiter »

31. Mai 2010Historikerstreit in Israel

Wie immer wir zu den Thesen christlicher Zionisten stehen, es ist ganz sicher nicht unrecht, auch einmal auf diejenigen Stimmen zu hören, die in Israel selbst immer lauter werden:

Mehr dazu in diesem Spiegel-Beitrag vom 30.05.2010: www.spiegel.de

16. Mai 2010Wer oder was ist Israel?

In vielen christlichen Gemeinden und Hauskreisen ist Israel ein zentrales Anliegen. Besonders die evangelikalen Richtungen fühlen sich stark von dieser Thematik angezogen, und nicht wenige Missionswerke erklären Israel zum wichtigsten Glaubensinhalt überhaupt.

Eine noch grössere Präsenz hat der “Christian Zionism” in Amerika. Porter Speakman Jr. beleuchtet in seinem neuen Dokumentarfilm With God On Our Side den Einfluss evangelikaler Zionisten auf die US-Politik im Nahen Osten und zeichnet ein beklemmendes Bild. Der politische Zündstoff, der im dispensationalistischen Verständnis von “Israel” liegt, wird weitherum unterschätzt.

Tatsächlich finden sich in der Bibel unzählige Verheissungen, die sich explizit auf Israel beziehen. Entsprechend zahlreich sind denn auch die Argumente christlicher Zionisten, die im Staat Israel seit 1948 das wiederauferstandene Israel hineinprojizieren. weiter »

8. Mai 2010Forum repariert und erneuert

Wegen einer fehlerhaften Konfiguration verschwanden vor einigen Tagen Dutzende unserer Foreneinträge. Inzwischen konnten sämtliche Texte wiederhergestellt werden. Bei dieser Gelegenheit habe ich ein Update des Forums installiert, schaut doch bei Gelegenheit einmal vorbei: Forum

15. April 2010Erfüllte Parusie und narzisstische Kränkung

Wenn ich meine eigenen Texte durchlese überkommt mich oft ein beschämendes Gefühl. Was sind das bloss für eitle Formulierungen und angestrengte Floskeln, frage ich mich dann. Geschwollene und langatmige Passagen, unterbrochen vom unzulänglichen Versuch, einen diffusen Gedanken verständlich zu machen.

Trotzdem: Schreiben ist für mich ein befreiender Akt. Eine Therapie vielleicht. Wenn ich in jungen Jahren dem Mann begegnet wäre, der ich heute bin, ich weiss nicht, ob ich ihm vertraut hätte. Ich denke nicht. Damals war ich von lauter Menschen umgeben, die klare Vorstellungen hatten; wie die Welt und der Himmel beschaffen ist, und ganz besonders davon, wo der Himmel aufhört und wo die Welt beginnt. Hosen zum Beispiel gehörten zum Himmel, solange sie von Männern getragen wurden. Hingegen waren sie weltlich, wenn sich Frauen damit kleideten. Auf diese Weise wurde das ganze Leben eingeteilt in biblisch und unbiblisch, in weltlich und nicht-weltlich. Der Weg vom Unbiblischen über das Weltliche bis hin zur ewigen Pein im höllischen Feuer war erschreckend kurz. weiter »

7. April 2010Bibelgriechisch?

Kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem über die Vorteile, die ein gewisses Verständnis der altgriechischen Sprache für die Interpretation neutestamentlicher Schriften bietet. Als wir uns überlegten, wie und wo wir unsere (kümmerlichen) Kenntnisse vertiefen könnten, diskutierten wir plötzlich über “Bibelgriechisch” und “Altgriechisch”; so als würde es sich dabei um zwei verschiedene Sprachen handeln.

Eine gewisse Nuancierung gibt es tatsächlich: Die Sprache des Neuen Testaments ist wesentlich von der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel (Tanach) beeinflusst. Demzufolge liegt eine spezifische Prägung des “Bibelgriechisch” vor, etwa im veränderten Gehalt (Semantik), den einzelne Wörter durch die Übernahme hebräischer Erzählweisen erfahren haben.

Soweit so gut. Die damit einhergehenden Abweichungen von der Sprachkultur antiker Philosophen sind aber nur eine ungenügende Erklärung für das Empfinden, es gäbe so etwas wie ein eigenständiges “Bibelgriechisch”. Einige Lexika lassen nämlich recht deutlich durchschimmern, wie so manche Übersetzung mehr von theologischen Vorstellungen als vom effektiven Sprachgebrauch beeinflusst ist. weiter »

5. März 2010Auszeit in Stuttgart-Ditzingen am 17. Juli 2010

ERFÜLLTE ENDZEIT – ERFÜLLTES LEBEN
Markus Mosimann (Schweiz) und Joseph Dragomir (Rumänien)

Unter diesem Leitgedanken findet am 17. Juli 2010 unsere Auszeit in Stuttgart-Ditzingen (Fuchsbau) statt, wozu wir Interessierte aller Glaubensüberzeugungen herzlich einladen.

Flyer zum Ausdrucken

Flyer zum Ausdrucken (zwei Seiten, duplex faltbar)
Direkt anmelden, bis spätestens 10. Juli 2010: kontakt@erfuellt.net

Über Jahrhunderte hinweg wurde in Kirchen und Freikirchen das baldige Hereinbrechen apokalyptischer Zustände gepredigt. Die damit verbundenen Vorstellungen und Bilder haben nicht nur das theologische Denken, sondern auch das praktische Handeln religiöser Menschen nachhaltig beeinflusst.

Wie können wir verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen, wenn wir gleichzeitig den Glauben an deren baldigen Untergang fördern? Könnte es sein, dass die eschatologische Vorstellung vom Ende der Welt ein grundsätzliches Missverständnis in Bezug auf die Lesart der Bibel offenbart? weiter »